Gegenleser sind wichtig. Sie können aber nicht mangelnde Qualität beim Schreiben in Leichter Sprache ausgleichen. Foto: Uwe Roth

Tag barrierefreie Kommunikation statt Leichte Sprache

Lesedauer 2 Minuten

Über den Autor: Uwe Roth ist Journalist und führender Experte in der Einfachen Sprache. Er arbeitet in den DIN-Gremien zur Leichten und Einfachen Sprache mit. Er gehört zu den Gründer*innen des DACH-Forums Einfache Sprache.

Wir müssen den Tag der Leichten Sprache in „Tag der barrierefreien Kommunikation“ umbenennen. Die Benennung des Aktionstages lässt glauben, mit Leichter Sprache sei die Kommunikation mit Menschen mit kognitiver Behinderung abgedeckt.

Das trifft nicht zu.

Eine nie rechtssichere Sondersprache kommt für einen kleinen Kreis in Frage. Niemand kennt statistisch belegte Zahlen.

Siehe auch Einfache Sprache: Warum sie gefördert werden muss

Lieblingsworte der Leichten Sprache: „Dinge“ und „Sachen“ – diskriminierend?

Leichte-Sprache-Sätze wie, „Menschen mit Behinderung können viele Dinge gut“, sind nicht wertschätzend. „Dinge“ oder „Sachen“ sind Worte abstrakt wie „Maßnahmen“. Sie bevormunden, weil mitschwingt, Details verstehst du/verstehen Sie sowieso nicht. Ableismus?

Wertschätzende Kommunikation ist vielfältig, individuell abgestimmt, mit unterschiedlichen Möglichkeiten, sicher auch mit KI.

Wir alle profitieren von barrierefreier Kommunikation.

Ich kenne Menschen mit kognitiver Behinderung, die für ihre Selbständigkeit eintreten und Einfache Sprache fordern.

Mit Tag der barrierefreien Kommunikation sprechen wir alle an.

Leichte Sprache ist eine Kunstsprache

Es kommt immer darauf an, wie man das Konzept der Leichten und Einfachen Sprache erklärt.

Ich mache sehr viele Kurse für (angehende) Fachkräfte aus dem sozialen Bereich. Sie kennen das Stichwort Leichte Sprache.

Von den Möglichkeiten der Einfachen Sprache haben sie in der Regel nie etwas gehört.

Am Ende überzeugt sie, dass sie sich mit der Einfachen Sprache in die Kommunikation mit ihren Klient*innen sehr viel besser einbringen können.

Leichte Sprache ist und bleibt eine Kunstsprache. Mir geht es vor allem um die Menschen, die mit Menschen mit kognitiver Behinderung kommunizieren müssen/möchten. Sie müssen umfassend aufgeklärt werden. Das werden sie in der Regel aber nicht.

„Tag der Leichten Sprache“ rein fürs Marketing?

Der Aktionstag Leichte Sprache wird aus meiner Sicht hauptsächlich fürs eigene Marketing genützt. Das kann ich nachvollziehen, denn der Markt ist eng. Und er wird immer enger werden, nichtzuletzt wegen der KI.

Warum setzen wir uns nicht gemeinsam für die Einfache Sprache auf Internetseiten von Verwaltungen ein? So empfiehlt es die DIN SPEC 66336. Die Lücke zwischen Leichter Sprache und der üblichen Verwaltungssprache ist so groß, dass damit niemandem gedient ist.

Siehe auch DIN SPEC 66336 empfiehlt Einfache Sprache

Kontakt

Siehe auch Tag der Leichten Sprache überdenken


Veröffentlicht

in

,

von

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert