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Einfache Sprache und Politiksprache

Donald Trump scheint ein einleuchtendes Argument gegen die Einfache Sprache zu sein. Der US-Präsident beherrscht sie – und missbraucht sie. Die Einfache Sprache deswegen abzulehnen, ist nicht die folgerichtige Reaktion.

Bei der Einfachen Sprache wird oftmals nicht unterschieden zwischen Verständlichkeit und Inhalt. Einfache Sprache wird – ohne zu hinterfragen – gleichgesetzt mit banalen Inhalten. Kritiker gehen davon aus, dass Leser der Einfachen Sprache kognitiv eingeschränkt – also nicht die Schlausten sind.

Im Umkehrschluss empfinden Kritiker die Einfache Sprache für ein intellektuelles Publikum als eine Zumutung. Doch es ist ein Irrtum anzunehmen, dass Einfache Sprache zwangsläufig die Qualität des Inhalts bestimmt.

Verständlichkeit unterliegt allgemeinen Regeln

Die Vorurteile rühren tatsächlich vom Ursprung der Leichten/Einfachen Sprache her, die in der Behindertenhilfe liegt. Doch der Nische ist die Einfache Sprache längst entwachsen.

Mein Bestreben als Texter und Trainer ist zu beweisen, dass die Einfache Sprache auch für komplexe Inhalte gut geeignet ist. Mit dem Programm TextLab analysiere ich Texte nach wissenschaftlichen Kriterien.

Und es ist kein Zufall, dass die Onlinesoftware im Wesentlichen die gleichen Regeln anwendet wie die Einfache Sprache. Verständlichkeit unterliegt allgemeinen Regeln.

Einfache Sprache nicht den Populisten überlassen

Deswegen ist es falsch, wenn Menschen im politischen Umfeld davon ausgehen, dass Seriosität nur mit schwerer Politiksprache geht. Sich kompliziert auszudrücken, ist kein Ersatz für (fehlende) lösungsorientierte Inhalte.

Politik-Menschen sollten das Feld der Leichten/Einfachen Sprache nicht den Populisten wie Trump und Gauland überlassen.

Seriosität geht auch mit Einfacher Sprache, die die Menschen erreicht.

Uwe Roth

In einem Workshop ist es mir gelungen, Mitglieder der Jungen Liberalen (JuLis) davon zu überzeugen, dass es sich lohnt, mit der Einfachen Sprache zu beschäftigen. Die Bundesgeschäftsstelle der FDP-Nachwuchsorganisation hat mein Angebot über Google gefunden.

Es hat mich gefreut, dass sich die jungen Menschen – überwiegend Akademiker/Innen – bei der Wahl ihres Referenten vom Begriff Einfache Sprache nicht haben abschrecken lassen.

Es war folglich die Grundbereitschaft vorhanden, Einfache Sprache als Orientierung für eine verständliche Kommunikation zu akzeptieren.

Beweist Fachsprache immer auch Kompetenz?

Von der Bundesgeschäftsstelle bekam ich zur Vorbereitung des Workshops zwei offizielle Texte zugeschickt, die ich mit TextLab analysiert habe.

  • Wir diskutierten ausgiebig die Frage, ob es notwendig ist, ausschließlich für hochgebildete Leser zu schreiben?
  • Muss ein Autor bzw. eine Autorin in ein Strategie-Papier möglichst viel Fachwissen packen, um politische Forderungen zu untermauern?
  • Ist es richtig, dass junge, politisch interessierte Menschen (von der Mutterpartei, den Medien etc.) nicht ernst genommen werden, wenn sie in ihre Sprache verwenden?
  • Können leicht zu lesende Texte nicht seriös sein?
  • Wie notwendig sind unterschiedliche Textvarianten zu einem Thema: eine Sprachversion für die Parteispitze, eine für die Mitglieder der Bundespartei, eine für die JuLis, eine für die Medien und eine weitere Version für den Bürger an den Infoständen sowie in Veranstaltungen?
  • Fünf Sprachversionen für ein und dasselbe Thema? Für jede Zielgruppe eine eigene Ansprache? Ist das nicht auch ein Grund, warum die Gesellschaft immer mehr in Splittergruppen zerfällt?

Positive Rückmeldung

Der Workshop verlief sehr erfolgreich. Die Beteiligung war groß und Diskussionen waren sehr lebhaft. Aus Berlin kam folgende Rückmeldung:

Sehr spannend und zur Selbstreflexion wichtig, war die gemeinsame Analyse unseres Europawahlprogrammes hinsichtlich der Verständlichkeit und späteren Untersuchung anhand der Software „TextLab“. Die Eingruppierung unserer Anträge bzw. Wahlprogramme in einen Verständlichkeitsindex, war für viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Überraschung und wird dazu führen, dass wir unsere Programme und Anträge, noch sorgfältiger auf unsere „Empfänger“ ausrichten.

Carsten Repges, Bundesgeschäftsführer Junge Liberale

Veröffentlicht in Akquise und Lobbyarbeit Blog Fachtexte zur Einfachen Sprache Kursberichte

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