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Vortrag Einfache Sprache inmitten K. I., Usability und User Experience

Lesedauer 3 Minuten

Ich beschäftige mich schon länger mit dem Zusammenhang zwischen Künstlicher Intelligenz (K. I.) und Einfacher Sprache. Von K. I. habe ich zugegeben wenig Ahnung. Ebenso wenig wie von Usability und User Experience. Das hat sicher damit zu tun, dass es keine Erklär-Texte gibt, die Laien verstehen. Einfache Sprache statt Fachsprache wäre bestimmt hilfreich. K. I. selbst schätzt die Einfache Sprache. Dass Fachsprache ein Teil des Problems fehlender Akzeptanz der K. I. ist und kein Beitrag zur Lösung, habe ich in einem Vortrag vor überwiegend jüngerem Publikum gezeigt. Die Resonanz war erfreulich.

„Einfache Sprache für Mensch und Maschine“ lautete das Thema meines Beitrags zur World Usability Day (WUD)-Konferenz 2021 in Stuttgart gewesen. Die Veranstaltung fand am 11. November mit 300 Zuhörenden online statt. Ich habe einige Vorträge in meinem langen Berufsleben gehalten. Lampenfieber kenne ich kaum noch. Doch selten habe ich auf einen vagen Verdacht hin ein Thema angeboten.

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Ich habe mich gefragt, ob ich mit der Einfachen Sprache in einem Umfeld punkten kann, in dem sich vorwiegend junge Menschen aus der Forschung und Startups tummeln? Andere Vortragstitel lauteten „Evaluation der Mensch-KI-Zusammenarbeit“ oder „Mit Diskriminierung im Zusammenhang mit KI umgehen“. Da komme ich mit Einfacher Sprache…

UX und Einfache Sprache kämpfen gegen Fachsprache

Das Organisationsteam hatte in die Einladung geschrieben: „Auch in diesem Jahr wollen wir den Tag rund um Usability und User Experience (UX) wieder gebührend mit Euch feiern!“ Thematisch handelt es sich bei der UX um die Erforschung und Verbesserung von Nutzungserlebnissen. Dafür gibt es bereits eine Norm – die DIN EN ISO 9241. Auch Einfache Sprache hat zum Ziel, Nutzungserlebnisse zu verbessern. Und es ist ein internationales und deutsches Regelwerk in Vorbereitung. Die DIN ISO 24495-1 Plain Language/Einfache Sprache könnte in den kommenden Monaten fertiggestellt werden.

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Mit meinem Hinweis auf eine weltweite Bewegung, Verständlichkeit in der Kommunikation zu verbessern, und der Verwendung der englischen Variante Plain Language (statt Einfache Sprache) konnte ich mein Thema interessant machen. Der Untertitel zu meinem Vortrag lautete: „Mit einfacher Sprache (Plain Language) lassen sich Menschen einbinden, die eine bestimmte Fachsprache nicht beherrschen.“

Usability (UX) und Einfache Sprache ziehen am gleichen Strang

Meine Erkenntnis ist: Die Akteure der UX und die der Einfachen Sprache ziehen an einem Strang. Sie wollen eine barrierefreie Kommunikation herstellen. Nur wissen beide Seiten wenig bis gar nichts voneinander. Bei LinkedIn und Xing sind es zwei getrennte Gruppen, die sich nicht austauschen. Vor einiger Zeit habe ich an einem Online-Workshop über UX Writing (nutzerfreundliches Schreiben) teilgenommen. Ich hörte zum ersten Mal etwas über dieses Thema. Die anderen Teilnehmenden kannten wiederum die Einfache Sprache nicht. Dabei spricht die geplante ISO Plain Language ausdrücklich UX Writer als mögliche Anwender der Norm an.

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In beiden Gruppen werden völlig unterschiedliche Fachsprachen gesprochen. Die Fachsprache, die Usability und User Experience beschreibt, kann ich schwer einordnen. In jedem Fall wird viel Englisch gesprochen und geschrieben. Für manchen Begriff gibt es keine eindeutige deutsche Entsprechung. Die Einfache Sprache oder auch die Leichte Sprache haben ihren theoretischen Hintergrund in der Linguistik. Für UX-Akteur*innen ist die Sprachwissenschaft eine kaum zugängliche Welt.

Die Einfache Sprache ist bekannt – die Regeln sind es nicht

Ich hatte durchaus Befürchtungen, dass sich wenige Zuhörende in meinen virtuellen Vortragsraum verirren. Es fanden parallel ein weiterer Vortrag und zwei Workshops statt. Doch die Befürchtung war unbegründet. Mein Bildschirm war mit virtuell Teilnehmenden gut gefüllt. Meine zentrale These war, dass die Zahl der Fach- und Nischensprachen immer weiter wächst. Gleichzeitig sinkt die Bereitschaft zum Lesen komplexer Texte. Einfache Sprache verhindert diesen Trend nicht, aber sie kann sie auffangen.

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In der Diskussion und in Rückmeldungen an mich nach der Veranstaltung stellte es sich heraus, dass Einfache Sprache und Plain Language als Begriffe gar nicht so unbekannt sind, wie ich vermutete. Doch dass diese sich über Regeln definieren, die zum Teil quantitativ nachvollziehbar sind, ist weniger bekannt. Wie so oft geht man davon aus, dass man sich Einfache Sprache irgendwie selbst beibringen muss.

Nun geht es darum, einen Weg zu finden, wie Einfache Sprache/Plain Language und UX (Writing) zu einander finden. Das dürfte nicht einfach sein.

Veröffentlicht in Blog Kursberichte

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