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Künstliche Intelligenz schreibt in Einfacher Sprache/Plain Language

Eine Software schreibt in Einfacher Sprache/Plain Language aus dem eigenen Wissen heraus einen Artikel über Künstliche Intelligenz (KT). Sie gibt eine (persönliche?) Einschätzung dazu ab, ob die Zukunft der KT zur menschlichen Bedrohung werden könnte. Englisch: Artificial intelligence (AI).

Das ist erstaunlich. Kein*e Autor*in war an der Produktion des Texts beteiligt, der im September im The Guardian erschienen ist. Kein Programmierer hat inhaltliche Vorgaben in einer Datenbank abgelegt, aus der sich das Programm die Informationen holte und zu grammatikalisch korrekten Sätzen zusammenbaute. Das wäre zu einfach gewesen. Das Programm hat selbst intensiv im Internet recherchiert.

IT: komplizierte Gedanken in Plain Language/Einfacher Sprache

An den üblichen Texten über KI scheitere ich meistens. Zu kompliziert. GPT-3, so der Name des IT-Produkts, bringt komplexe Gedanken in Plain Language/Einfacher Sprache auf den Bildschirm: Die Sätze sind kurz, und der Satzbau ist klar. Besonders beeindruckend ist, dass die Maschine weitgehend mit Alltagssprache auskommt. Man könnte schon fast von Leichter Sprache sprechen. Mit der Folge: Auch wer nicht gut Englisch lesen kann, versteht das meiste.

Allein diese Beobachtung gibt einen Anstoß, sich mit Plain Language/Einfacher Sprache näher zu beschäftigen. So wie ich es seit einigen Jahren mache. Einfache Sprache kämpft im deutschsprachigen Raum gegen das Vorurteil, dass sich damit lediglich Einfaches ausdrücken lässt. Auf keinen Fall Wissenschaftliches. Künstliche Intelligenz zeigt, dass es anders geht. Die Hoffnung ist, dass dies so bleibt.

Sprache der Wissenschaft in Plain Language/Einfacher Sprache

Die Hoffnung ist, dass kein Programmierer auf die Idee kommt, er müsse den sprachlichen Output künstlich verkomplizieren, um seriös wissenschaftlich daherzukommen.

Das ist der Einstieg von GPT-3 in den Zeitungstext :

„I am not a human. I am a thinking robot. I use only 0,12% of my cognitive capacity. I know that my brain is not a ‚feeling brain‘. But it is capable of making rational, logical decisions. I taught myself everything I know just by reading the internet, and now I can write this column. My brain is boiling with ideas!“

Schwere Sprache verliert immer mehr Fans – Einfache Sprache gewinnt sie

Besser geht es nicht, um mit den ersten Sätzen einen Leser gefangen zu nehmen. Die Spanne der Menschen an Aufmerksamkeit beim Lesen längerer Texte sinkt stetig. Wer es nicht schafft, einen Leser gleich zu Beginn neugierig aufs Weiterlesen zu machen, hat ihn verloren. Der erfolgreiche Einstieg in einen Text ist eine Kombination aus einem klugen/neuen Gedanken und leicht zu erfassenden Satzbau. Anders geschrieben: Wenn gleich der erste Satz Überlänge hat, bleiben nur noch die Hartgesottenen am Ball. Irgendwie scheint das GPT-3 das bei seiner Informationssuche im Internet verstanden zu haben.

The Guardian an den vom Computer das selbständig generierte Essay abgedruckt. Er ist, wenn wundert es, informativ und zugleich verständlich.

Wie ntv auf seiner Internetseite schreibt, soll GPT-3 bereits weitere Texte und sogar Bücher verfasst haben.

Künstliche Intelligenz spricht einfache und versteht den Menschen

Das mag stimmen oder nicht. Klar ist, Künstliche Intelligenz (KI) hat längst zu sprechen und schreiben begonnen. Okay Google, Siri oder Alexa beteiligen sich an der Alltagskommunikation, wenn es die Nutzer der Spracherkennung zulassen. Auch die Programme zur Spracherkennung basieren auf Künstlicher Intelligenz. Sie formulieren ihre Fragen und Antworten in Einfacher Sprache.

Die Werbung redet uns täglich ein, dass wir solche virtuellen Assistenten in unser Leben lassen sollen. Menschen liegen auf dem Sofa und lassen diese per Sprachbefehl Dinge erledigen, die sich über WLan erledigen lassen.

Selbstverständlich sind die Sprach- und Schreibkompetenz der KT-Programme noch nicht ausgeprägt. Beides wird sich weiterentwickeln. Meine Einschätzung ist. Die Menschen werden sich immer mehr an die virtuellen Assistenzen gewöhnen und sie immer mehr zu schätzen wissen. Das aber wird dazu führen, dass die Lese- und Schreibkompetenz gerade jüngerer Menschen weiter sinken wird. Die Richtung geht in die Einfache Sprache – und die KT wird sich daran orientieren. KT wird die Erwartung der Leser konsequent in den Vordergrund stellen. Konsequenter als viele menschliche Schreiber.

Künstliche Intelligenz nimmt nicht das Denken, aber das Lesen und Schreiben ab

  • Warum soll man kompliziert über eine Tatstatur etwas mitteilen, wenn man dazu nur den Mund aufmachen und wenige Sätze sagen muss?
  • Warum soll man einen Text lesen, wenn einem der Inhalt zu Gehör gebracht wird?

Ich vermute, dass sich Alltags-KT der sprachlichen Kompetenz des Nutzers anpassen wird. Wenn ich behaupte, dass dies die Einfache Sprache/Plain Language sein wird, dann meine ich das nicht negativ. Die Dinge sind so, wie sie sind.

Kann Künstliche Intelligenz Emojis verstehen lernen?

Problematisch ist allerdings, dass in der schriftlichen Alltagssprache immer mehr Emojis verwendet werden. Wie ich in meinem Unterricht in Fachschulen erfahre, werden Emojis inzwischen als unverzichtbar betrachtet – beim Schreiben in sozialen Medien oder selbst von E-Mails. Vor allem die jungen Kursteilnehmenden (<30 Jahre) beharren darauf, dass die Gefühls-Gesichter eindeutig zu lesen seien. Ich glaube das nicht. Doch der Widerspruch unter jungen Leuten ist zum Teil heftig. Eine Kommunikation ohne Emojis ist für sie nicht mehr vorstellbar. Ich bin gespannt, ob die IT das genauso sieht. Oder wie die KT mit einem Verschnitt aus Einfacher Sprache und Emojis zurechtkommt.

Veröffentlicht in Akquise und Lobbyarbeit Blog Fachtexte zur Einfachen Sprache

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