Einfache Sprache vs. Leichte Sprache – Was ist der Unterschied?

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Willkommen bei leichtgesagt.eu – der Fachseite von Uwe Roth, Journalist, Normen-Mitgestalter und führender Experte für Einfache Sprache. Hier erfährst du klar, hier erfahren Sie, fundiert und verständlich, worin sich Einfache Sprache und Leichte Sprache unterscheiden – und warum diese Unterscheidung wichtig ist.


Die Begriffe werden häufig verwechselt. Doch sie stehen für zwei unterschiedliche Sprachformen, mit klar definierten Zielgruppen, Regelwerken und Einsatzbereichen.

Was ist Einfache Sprache?

Einfache Sprache ist die moderne Standardsprache für gut verständliche Kommunikation.

Sie richtet sich an eine breite Öffentlichkeit – an alle, die Informationen schnell und klar erfassen möchten. Die Einfache Sprache ist dazu da, fachliche Informationen verständlich zu machen. Das Potenzial zeigt sich darin, dass die ISO (Internationale Organisation für Standardisierung) ihre Norm Plain Language (Einfache Sprache) auf juristische Kommunikation und wissenschaftliches Schreiben erweitert hat. Die Regeln sind in der DIN ISO 24495 für den deutschen Sprachraum umgesetzt.

Einfache Sprache ist flexibel. Sie kann – ohne Regeln zu verletzen – an Menschen mit wenig Lese-Erfahrung, an Personen mit Deutsch als Zweitsprache, an gestresste Leserinnen und Leser angepasst werden.

Die Einfache Sprache wird durch DIN ISO 24495‑1 (-2 und -3) und DIN 8581‑1 geregelt: Sie ist flexibel, präzise und rechtssicher einsetzbar.

Vorteile der Einfachen Sprache

  • transportiert vollständige Informationen
  • rechtssicher nutzbar in Behörden und Organisationen
  • flexibel im Stil: so einfach wie nötig, so vollständig wie möglich
  • für fast alle Menschen verständlich
  • moderne, normbasierte Kommunikation

Was ist Leichte Sprache?

Leichte Sprache ist eine streng geregelte Sondersprache – gedacht ausschließlich für Menschen mit Lernschwierigkeiten bzw. kognitiven Behinderungen.

Sie folgt klaren Vorgaben: sehr kurze Sätze, keine Nebensätze, einfache Wörter, Illustrationen, starke Inhaltsreduktion. Die Regeln basieren auf der DIN SPEC 33429, einer Empfehlung, nicht einer verbindlichen Norm.

Leichte Sprache ist nicht rechtssicher, da sie Inhalte nur stark vereinfacht wiedergibt. Daher steht in der Praxis oft der Hinweis:
„Gültig ist nur der Originaltext.“

Bei der Anwendung der Leichten Sprache wird oftmals übersehen: Menschen mit Lernschwierigkeiten stehen überwiegend auf dem kognitiven Stand von maximal Grundschülern. Das bedeutet: Die Themen müssen zum Lebensalltag dieser Menschen passen. Abstrakte und komplexe Themen gehören nicht dazu.

Eigenschaften der Leichten Sprache

  • streng reglementiertes Regelwerk
  • sehr begrenzter Wortschatz
  • Inhalte werden stark gekürzt
  • Zielgruppe: Menschen mit Lernschwierigkeiten
  • keine verbindliche Norm (nur Empfehlung)

Die wichtigsten Unterschiede zwischen Einfacher Sprache und Leichter Sprache

1. Zielgruppe

  • Einfache Sprache: breite Öffentlichkeit
  • Leichte Sprache: Menschen mit kognitiven Einschränkungen/kognitiver Behinderung

2. Normen und Rechtssicherheit

  • Einfache Sprache: DIN ISO 24495‑1 & DIN 8581‑1 → rechtssicher
  • Leichte Sprache: DIN SPEC 33429 → keine Norm, nicht rechtssicher

3. Informationsumfang

  • Einfache Sprache: vollständige Inhalte möglich
  • Leichte Sprache: starke Inhaltsreduktion, nicht ausreichend für komplexe Themen

4. Flexibilität

  • Einfache Sprache: flexibel – Text kann an Zielgruppe angepasst werden
  • Leichte Sprache: starres Regelwerk für die Kommunikation mit Menschen mit kognitiver Behinderung

5. Einsatzbereiche

  • Einfache Sprache: Behörden/öffentliche Verwaltung, Medien, Unternehmen, Wissenschaft
  • Leichte Sprache: Behindertenhilfe, unterstützte Kommunikation

Warum Uwe Roth auf Einfache Sprache setzt

Uwe Roth ist Mitgestalter der relevanten Normen für Einfache Sprache und leitet Workshops, Trainings und Qualitätsentwicklungen.

Sein Ansatz:

Mit den Regeln der Einfachen Sprache lässt sich das Niveau der Leichten Sprache problemlos abbilden – ohne eine Norm zu verletzen.

Damit zeigt sich:
Einfache Sprache ist umfassender, inklusiver und zukunftsfähiger.


Für wen ist diese Seite gedacht?

Für alle, die wissen möchten:

  • wie verständliche Kommunikation funktioniert
  • wann welche Sprachform sinnvoll ist
  • wie Organisationen barrierefreie und dennoch vollständige Texte erstellen können
  • wie man Inhalte normgerecht und rechtssicher formuliert

Fazit – So unterscheiden sich Einfache und Leichte Sprache

Leichte Sprache → stark vereinfacht, streng geregelt, für eine kleine Zielgruppe.
Einfache Sprache → normbasiert, flexibel, rechtssicher und für fast alle Menschen verständlich.

Einfache Sprache ist der neue Standard für moderne, barrierefreie Kommunikation.

Kontakt

Über den Autor: Uwe Roth ist Journalist und führender Experte in der Einfachen Sprache. Er arbeitet in den DIN-Gremien zur Leichten und Einfachen Sprache mit. Er gehört zu den Gründer*innen des DACH-Forums Einfache Sprache.


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