Mit einer pensionierten Deutsch-Lehrerin (alter Schule) über die Einfache Sprache zu diskutieren, ist eine Herausforderung.
Der Deutschlandfunk hatte mich eingeladen, diese in einer knapp halbstündigen Sendung anzunehmen.
Die wöchentliche Hörfunk-Rubrik heißt „Streitkultur“. Der Titel an diesem Samstag (24.01.2026) hieß „Krasse Klassiker – besser einfach lesen?“.
Es war nicht die erste Diskussion, in die ich geraten bin und in der Philolog*innen sich bitter beklagten, das Einfache Sprache Gift für die Literatur-Klassiker und überhaupt für die deutsche Sprache sei.
Lesen in Einfache Sprache besser, als mit Klassikern quälen?
Meine Gesprächspartnerin bestand vehement darauf, dass junge Menschen (zumindest die Gymnasiasten) Shakespeare in frühen Übersetzungen, unsere großen Dichter des 19. und 20. Jahrhundert im Original lesen müssten.
Ich dagegen betonte, dass es mir vor allem darum gehe, einerseits den Lesebedürfnissen junger Menschen zu entsprechen und sie andererseits beim Lesen zu halten. Wenn ich sie mit Texten in Einfacher Sprache erreichen kann, dann ist das für mich ein Gewinn.
Zwinge ich sie (mit Notendruck) zu den Klassikern, dann werden sie auf die KI ausweichen und sich von ihr Zusammenfassungen in verständlicher Sprache erstellen lassen. Keine Deutschlehrerin und kein Deutschlehrer werden Schüler daran hindern können, 100 oder mehr Jahre alte Texte mit ChatGPT in eine Sprache zu bringen, die sie verstehen. Aber besser so, als gar nicht lesen.
Siehe auch Literatur in Einfacher Sprache für erfolgreiches Studieren
Gute Literatur in Einfacher Sprache
Vor mit verlangt auch keiner, dass ich Mittelhochdeutsch fließend lese und verstehe. Und nicht jeder Poetry-Slam-Text erschließt sich mir. Das ist nicht schlimm, Zeiten ändern sich.
Ich lese sehr gut geschriebene Bücher junger Autor*innen, die kein Label Einfache Sprache tragen, aber ihr sehr nahekommen. Ich kann nicht erkennen, dass Inhalte darunter leiden – im Gegenteil.

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