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ISO und DIN 24495-1: Einfache Sprache zielt mit Norm auf Akzeptanz

Lesedauer 4 Minuten

Die Internationale Organisation für Normung hat im Oktober 2020 das neueste Arbeitspapier zu Plain Language veröffentlicht. Die Organisation mit Sitz in der Schweiz ist besser bekannt als ISO. Die geplante Norm für Einfache Sprache trägt die Ziffer 24495 und den Zusatz WD für Working Draft. Sie hat den Anspruch, für alle gesprochenen Sprachen weltweit einen gemeinsamen Rahmen für Verständlichkeit zu definieren.

Die Internationale Organisation für Normung hat im Oktober 2020 das neueste Arbeitspapier zu Plain Language veröffentlicht. Die Organisation mit Sitz in der Schweiz ist besser bekannt als ISO.

Die geplante Norm für Einfache Sprache trägt die Ziffer 24495-1 und den Zusatz WD für Working Draft. Sie hat den Anspruch, für alle gesprochenen Sprachen weltweit einen gemeinsamen Rahmen für Verständlichkeit zu definieren. Ich engagiere mich als stellvertretender Projektleiter bei DIN in der Arbeitsgruppe für die Umsetzung der ISO-Vorgaben. Dies ist ein Ehrenamt, für das ich gerne Zeit aufbringe. Eine anerkannte Norm trägt sicher dazu bei, die Einfache Sprache aufzuwerten.

Es käme einer Revolution gleich, sollte aus dem Arbeitspapier ein internationaler Standard für gute Kommunikation werden. Der Erfolg einer ISO Plain Language hängt von der Bereitschaft der Informierenden ab, die Bedürfnisse der Lesenden kompromisslos in den Vordergrund zu stellen und die eigenen hintenan. Das liest sich logisch. Aber in meinen Workshops beobachte ich vielfach das Gegenteil: Statt den Empfänger der Information im Sinn zu haben, schreiben die Teilnehmenden des Kurses letztlich für Vorgesetzte oder Hausjuristen.

Siehe auch mein Angebot Workshop für öffentliche Verwaltungen

ISO Einfache Sprache ist ein Weg aus der Fachsprache

Politik, Verwaltung und die Wirtschaft müssen die ISO 24495 ernst nehmen, ansonsten verfehlt sie ihre Intension: Der nachlassenden Lese-Kompetenz in der Bevölkerung mit einer besonders verständlichen Sprache zu begegnen, die dieser Entwicklung Rechnung trägt. Wer ehrlich informieren will, muss sich der ISO-Norm verpflichtet fühlen und diese bei der Formulierung und Gestaltung von Texten im vollen Umfang anwenden.

Wer sichergehen will, dass in Zukunft die Zielgruppen seine Botschaften wahrnehmen und verstehen, kommt nicht umhin, seine Sprache auf den Prüfstand zu stellen. Das gilt besonders für diejenigen, die sich intensiv einer Fach- oder Gruppensprache bedienen. Aus einer solchen komplexen Sprache heraus- und in die Alltagssprache zu finden, ist kein leichtes Unterfangen. Das benötigt ein Training.

Dieses können Sie bei mir buchen. Ich informiere Sie gerne über den vollständigen Inhalt des ISO-Plans und halte Sie auf dem Laufenden. Die ISO könnte insbesondere auf internationale Ebene zu einem Standard werden, denn niemand ohne Nachteile im Wettbewerb ignorieren kann.

Siehe mein Angebot Workshop Fachsprache

DIN begleitet Vorbereitung der ISO mit Arbeitsgruppe Einfacher Sprache

Jede Verwaltung und jedes Unternehmen hat die beste Absicht, Bürger, Mitarbeiter und Kunden verständlich zu informieren. Niemand möchte das Gegenteil. Meistens zumindest. Aber das Ergebnis der Bemühung ist in der Regel ein anderes: Texte in komplexer Fachsprache und mit einem undurchsichtigen Satzbau zeigen, dass der gute Wille allein nicht ausreichend ist. Die ISO 24495 gibt einen guten Orientierungsrahmen für eine gewisse Allgemeingültigkeit von Verständlichkeit.

In Deutschland hat der DIN-Verein die Planungen der ISO aufgegriffen und Anfang November 2020 dazu eine Arbeitsgruppe Einfache Sprache eingerichtet. In dieser Arbeitsgruppe arbeite ich mit. Arbeitstitel ist „DIN SPEC 33429 Empfehlungen für Deutsche Leichte Sprache„.

Norm Einfache Sprache bringt finanzielle Vorteile

Es ist aus meiner Sicht gut vorstellbar, dass bei Ausschreibungen von Handbüchern, Broschüren, Onlinetexten etc. von Auftragnehmern verlangt wird, dass diese bei der Erbringung ihrer Dienstleistung die ISO-Norm/DIN Plain Language/Einfache Sprache einhalten müssen.

Daher kann es nicht schaden, sich als Verwaltung und Unternehmen frühzeitig auf die Norm einzustellen. Abgesehen davon, es bringt schon heute Vorteile, die interne und externe Kommunikation um die Einfache Sprache zu erweitern.

Studien haben ergeben, dass die Anwendung der Norm geldwerte Vorteile bringt. Verständliche Texte führen beispielsweise zu weniger Rückfragen beim Callcenter. Damit argumentiert auch die ISO.

Die gemeinsamen Anstrengungen von ISO und DIN zeigen, dass Plain Language/Einfache Sprache endlich aus einer Nische herauswachsen und zu einem allgemein akzeptierten Form der Kommunikation werden kann.

Mit ISO/DIN für Bürokratensprache werden Corona-Regeln verständlicher

Gäbe es die ISO/DIN Plain Language/Einfache Sprache schon, die Bevölkerung würde über die Corona-Regeln in einer besseren Sprache informiert. Das oberste Prinzip der ISO 24495/WD ist, dass die Bedürfnisse des Lesers im Vordergrund stehen. Doch Behördentexte sollen in erster Linie rechtssicher sein. Ob die Bürger diese verstehen, ist zweitrangig.

Erläuterungstexte zu Pandemie-Auflagen, die ich gelesen habe, waren einfach nur schlecht geschrieben. Sätze waren viel zu lang. Der Satzbau war undurchdringbar. Mit Rechtssicherheit hat Beides nichts zu tun. Mir wurde gesagt, aus zeitlichen Gründen sei das nicht besser möglich gewesen. Gäbe es eine verpflichtende ISO/DIN für Behördensprache, könnten Bürger eine verstehbare Version einfordern.

Einfache Sprache hat den Ruf, schlechtes Deutsch zu sein – das ist unfair

Einfache Sprache ist seit sechs Jahren mein Thema. Sie ist in dieser Zeit in Deutschland nicht populär geworden. Nun hoffe ich mit den Bestrebungen von ISO und DIN auf einen Ruck. Einfachen Sprache hat den Ruf, schlechtes Deutsch zu sein. Sie wird zudem mit Leichter Sprache verwechselt, die auf die Lesekompetenz von Menschen mit kognitiven Einschränkungen ausgerichtet ist. Wobei sich die Einfache Sprache tatsächlich mehr an der Leichten Sprache orientiert als an der schweren Sprache. Leichte und Einfache Sprache sind vollwertig und in speziellen Bereichen der schweren Sprache sogar überlegen.

Bei DIN entsteht Empfehlung für ein Regelwerk Leichte Sprache

Bei der Leichten Sprache zeigt es sich, was passiert, wenn Verwaltungen eine Vorschrift nicht berücksichtigen: Seit 23. September 2020 müssen nach einer EU-Vorgabe Internetseiten von Verwaltungen, auch denen auf kommunaler Ebene, barrierefrei zugänglich sein. Die Barrierefreiheit schließt Informationen in Leichter Sprache ein. Doch kaum eine Verwaltung hält sich an die rechtlichen Vorgaben. Vielleicht ändert sich das, wenn voraussichtlich 2021 die DIN Spec 33429 Leichte Sprache verabschiedet ist. Auch an dieser arbeite ich mit. In meinen Kursen ordne ich die verschiedenen Begriffe ein und trainiere mit den Teilnehmenden, wie sie ihre Fachsprache verständlich machen können.

Veröffentlicht in Akquise und Lobbyarbeit Blog Fachtexte zur Einfachen Sprache

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