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Einfache Sprache in journalistischer Qualität

Leichte Sprache, Einfache Sprache und Plain Language. Die drei Begriffe meinen im Grunde das Gleiche und beschreiben eine Entwicklung. Der Druck wächst, Informationen aus einem guten Grund verständlich zu formulieren: Die Fähigkeit der Menschen zum Lesen schwerer Texte schwindet. Und zwar rasant.

Als Journalist, Texter, Dozent und Berater bin ich, Uwe Roth, einer der wenigen Spezialisten in Deutschland für die verständliche Kommunikation mit einem eigenen Konzept der Barrierefreiheit in der Sprache.

Ich biete meine Dienstleistung im deutschsprachigen Raum öffentlichen Einrichtungen und Unternehmen an. Wer mit Kunden, aber auch den eigenen Mitarbeitern einfach verständlich kommuniziert ist von Vorteil – auch finanziell. Ich texte und gebe Workshops für das Fachpersonal. Im Internet finden sich immer mehr Anwendungen, die auf Klick einen Kommentar zur Barrierefreiheit ausgeben.

So auch Word von Microsoft. Aber den Anforderungen an barrierefreies Schreiben wird man nicht so einfach gerecht. Viel zu tief ist man in seiner Fachsprache verstrickt. Da rauszukommen, das erfordert Übung in Verbindung mit Tipps, wie man das schafft. Insofern machen die Algorithmen lediglich auf ein Problem aufmerksam. Aber sie liefern nicht die Lösung.

Es entstehen Normen für Leichte und Einfache Sprache

In den englisch-sprachigen Ländern hat man bereits vor 10 Jahren erkannt, dass man in der Bevölkerung mit schwerer Sprache nicht mehr viel erreicht. Plain Language (Einfache Sprache) ist eine Bewegung. Aktuell bereitet die Internationale Organisation für Normung (ISO) Standardregeln für Plain Language vor. Es ist die ISO/WD 24495-1.

In Deutschland ist ebenfalls eine Norm im Entstehen: Bis Frühjahr 2021 soll die DIN SPEC Leichte Sprache fertig sein. Im Mittelpunkt steht die Zielgruppe Menschen mit Lernschwierigkeiten/geistig Behinderung und anderen Menschen, die ähnlich schlecht lesen können. Es wird keine echte DIN werden, sondern lediglich ein Regelwerk mit Empfehlungen. Wie man in diesem Papier sehen kann, bin ich Mitglied im Konsortium.

Allerdings liegt mein Schwerpunkt auf der Einfachen Sprache/Plain Language. Vom Ansatz ist diese Sprachform für alle Menschen gedacht. Den ersten Meilenstein hat die Obama-Regierung 2010 gelegt. Sie weist seither alle Bundesbehörden an, mit Bürgern in Plain Language zu kommunizieren.

85 Prozent der Bevölkerung sollen Behörden-Texte beim ersten Lesen verstehen können. Das ist ein ehrgeiziger Ansatz. In Deutschland gibt es ebenfalls verbindliche Vorschriften auf Bundesebene. Diese beschränken sich im Behinderten-Gleichstellungsgesetz – wie es der Name klargelegt – auf Menschen mit einer Lernbehinderung.

Internetseiten frei von Barrierefreiheit in Einfacher Sprache entfernt

Die Verwaltungen in den Bundesländern können die Bestimmungen zur Leichten Sprache freiwillig übernehmen. Das passiert in manchen Bundesländern sehr, sehr zögerlich. Das gilt insbesondere für die Internetseiten für öffentliche Verwaltung. Bis September 2020 müssen sie barrierefrei gestaltet sein.

Das schließt die Text-Verständlichkeit ein. Viele Portalbetreiber wollen es allerdings dabei belassen, eine Sonder-Seite in Leichter Sprache anzulegen, die dann für immer und ewig in ihrem Urzustand bleibt (mehr).

Das wäre so, als könnte sich ein blinder Mensch lediglich die Startseite vorlesen lassen, den Rest des Auftritts nicht. Oder ein Rollstuhlfahrer kommt zwar über eine Rampe ins Foyer einer Behörde, nicht aber in die übrigen Stockwerke, weil ein Aufzug fehlt. Ich plädiere, zumindest alle sozialen Themen in einem Internetauftritt in Einfache Sprache zu bringen.

Einfache Sprache: maximaler Inhalt in maximaler Verständlichkeit

Ich bin Mitglied der Plain Language Association International (PLAIN). Die Einfache Sprache hat den Vorteil, dass sie flexibel ist. Ich schreibe in erster Linie nicht so, dass ich strenge Regeln für den Satzbau, Grammatik und Verwendung von Begriffen einhalte. Ich formuliere vielmehr so, dass maximaler Inhalt in maximaler Verständlichkeit bei der Zielgruppe ankommt, für die der Text gedacht ist.

Ich habe einen 20-seitigen Leitfaden zum Arbeitslosen-Geld II in Einfache Sprache gebracht – für alle Arbeitssuchenden. Ich habe bestehende Texte einer Ausstellung in verständliche Sprache übertragen. Damit konnte die Kuratorin auf ein Faltblatt in Leichter Sprache verzichten. Es sind Texte für alle Besucher der Ausstellung.

Bevor ich die Aufträge bekommen habe, musste ich nachweisen, dass bei meiner Arbeit Inhalte nicht verloren gehen. Einfache Sprache in journalistischer Qualität ist mein Grundsatz. Deswegen bin ich kein Übersetzer in die Leichte Sprache, sondern ein Autor/Journalist, der in Einfacher Sprache Texte schreibt.

Ein Kontroll-Instrument ist für mich das Analyse-Programm TextLab. Es ist nicht für die Einfache Sprache entwickelt worden. Aber die Kriterien für Verständlichkeit sind letztlich die gleichen.

Einfache Sprache ist eine Herausforderung

In meinen Seminaren lernen die Teilnehmer, worauf es beim Sprechen, Schreiben und der Darstellung von Texten in Einfacher Sprache ankommt, um gut verstanden zu werden. In den Workshops sind Akademiker, die ihre Kommunikation auf den Prüfstand stellen.

Einfache Sprache gibt eine Orientierung, eigene Texte verständlich zu formulieren. Und das nachvollziehbar. Im Gegensatz zu anderen Kommunikationstrainern vermittele ich meinen Teilnehmern nicht, was ich persönlich (als Journalist) für verständlich achte.

„Schreibe einfacher“, ist eine Aufforderung mit wenig Aussagekraft. Was heißt schon „einfacher“. Der eine sagt so, der andere so.

Methode lässt sich aus dem Workshop mitnehmen

Im Gegensatz dazu gibt die Einfache Sprache Kriterien vor, wie Satz- und Wortlänge, die sich quantitativ überprüfen lassen (mehr dazu…). Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hat die von mir vermittelte Methode den großen Vorteil, auch nach einem Workshop eigene Texte nachvollziehbar überprüfen zu können. Das ist ein Vorteil gegenüber einem konventionellen Kommunikationstraining, in dem die Tipps des Dozenten schnell wieder vergessen sind.

Dass eine klare und verständliche Sprache eine große Herausforderung ist, zeigt das folgende Zitat. Auch routinierte Schriftsteller ringen um Verständlichkeit. Anders gesagt: Herumlabern kann jeder…

„Ich schreibe Dir einen langen Brief, weil ich keine Zeit habe, einen kurzen zu schreiben“

Je nach Quelle: Voltaire, Goethe, Twain, Marx, Pascal

Die Teilnehmer meiner Workshops kommen aus der öffentlichen Verwaltung, aus Kultureinrichtungen und Unternehmen. Ich gebe Unterricht in Fachschulen für soziale Berufe und Volkshochschulen. (Referenzen)

Lese-Stunden in Einfacher Sprache

Es gibt Romane in Einfacher Sprache

Das Lesen von Büchern, die in Einfacher Sprache geschrieben sind, ist ein gutes Training für die eigene Aussprache. Solche Texte laut zu lesen, ist schwieriger, als man denkt. Ich übe das in meinen Kursen und in meinem Unterricht.

Gelegentlich veranstalte ich in Kooperation mit Büchereien Lese-Stunden in Einfacher Sprache. Eingeladen werden Menschen mit Lernschwierigkeiten. Meine zwei wichtigsten Bücher sind „Alles voller Hoffnung“ und „Ziemlich beste Freunde“. Weiter…

Schreiben Sie mir: Uwe.Roth@leichtgesagt.eu

Veröffentlicht in Akquise und Lobbyarbeit Fachtexte zur Einfachen Sprache

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