Springe zum Inhalt →

Funktionieren Museumstexte in Leichter Sprache?

Ich zeige an einem Beispiel, warum ich die Erklärungen in Leichter Sprache (an manchen Stellen der Ausstellung) für nicht gelungen halte. Mir stellt sich die Frage, welches Bild haben die Autoren und Autorinnen von ihrer Zielgruppe? Schlechtleser gleich geringe Bildung? Gutleser gleich Geschichtsbewusst? Ich erkenne kein System, nach dem Inhalte aus dem schweren Text in die Version der Leichten Sprache übertragen wurden.

Zudem scheint die Version in Leichter Sprache redaktionell nicht sorgfältig bearbeitet worden zu sein. Oder verstehe ich die beiden Sätze einfach nur falsch? „Vor 100 Jahren verlor Deutschland den Ersten Weltkrieg. Deshalb gab es in Deutschland eine Revolution.“

Bitte um Kommentare

Sonderausstellung „Weimar: Vom Wesen und Wert der Demokratie“, Deutsches Historisches Museum, Berlin

Beispiel

Erklärung in schwerer Sprache

„Kampf um die Demokratie

Vier Jahre nach Beginn des Ersten Weltkriegs zeichnete sich im Herbst 1918 die deutsche Kriegsniederlage zunehmend ab und die Bevölkerung sehnte sich nach Frieden. Meutereien kriegsmüder Matrosen in Wilhelmshaven und Kiel weiteten sich Anfang 1918 zur Revolution aus.

Als diese Berlin erreichte, erklärte Reichskanzler Max von Baden eigenmächtig den Thronverzicht des Kaisers und übertrug dem Sozialdemokraten Friedrich Ebert die Regierungsgeschäfte. Die von Ebert gebildete Revolutionsregierung wollte zentrale Grund- und Freiheitsrechte durchsetzen.

Um das zukünftige politische System wurde erbittert gerungen: Sollte das Deutsche Reich eine parlamentarische Demokratie, eine Mischung aus Rätesystem und Demokratie oder womöglich, wie führende Sozialdemokraten und Liberale fürchteten, eine Rätediktatur nach sowjetischen Vorbild werden?

Nachdem die Entscheidung für die parlamentarische Demokratie im Dezember 1918 gefallen war, versuchte die radikale Linke dennoch, mit Waffengewalt die Rätediktatur durchzusetzen. Um einen Bürgerkrieg zu verhindern, sicherte die Regierung die Einführung der Demokratie schließlich mithilfe des Militärs.“

__________________

Version in Leichter Sprache (gleich daneben)

„Kampf um die Demokratie

Vor 100 Jahren verlor Deutschland den Ersten Weltkrieg. Deshalb gab es in Deutschland eine Revolution. Das heißt:

  • Soldaten kämpften nicht mehr,
  • Arbeiter arbeiteten nicht mehr,,
  • Kaiser Wilhelm der Zweite verlor seine Macht,
  • Deutschland wurde ohne Kaiser zu einer Republik.

Friedrich Ebert aus der SPD hat die Regierung übernommen. Damit war die SPD das erste Mal in Deutschland an der Macht. Die Regierung versprach neue Freiheiten.

  • Die Menschen haben über die Zukunft gestritten:
  • Einige wollten eine Demokratie mit Parlament. Sie hatten Angst vor einer Revolution wie in Russland. Dort verloren die Fabrik·besitzer ihre Fabriken. Viele Menschen mussten ins Gefängnis.
  • Andere wollten eine Räte·republik wie in Russland: In einer Räte·republik bestimmen Arbeiter und Soldaten.
  • Einige wollten eine Mischung aus beidem.

In der Regierung setzte sich die SPD durch: Deutschland sollte eine Demokratie mit Parlament werden. Einigen Menschen gefiel dies nicht: Sie kämpften auf der Straße gegen die Entscheidung. Die SPD hatte Angst vor einem Bürger·krieg. Deshalb holte sie sich Hilfe vom Militär. Das Militär kämpfte gegen die Menschen auf die Straße. Die wichtigen Männer im Militärwollten keine Demokratie: Sie wollten das Kaiser·reich zurück.“

Veröffentlicht in Blog

Kommentaren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.