Leichte und Einfache Sprache

Ein schwieriger Text kann normaler-weise nicht Satz für Satz in die Leichte oder Einfache Sprache übersetzt werden.

Deswegen sehe ich mich nicht als Übersetzer, sondern als Journalist.

Damit ein Text in schwerer Sprache verständlich wird, muss er neu geschrieben werden.

Das gehört zu meiner Dienstleistung als Journalist und Texter. Texte in Leichter oder Einfacher Sprache haben einen anderen Aufbau als Texte in schwerer Sprache. Viele Begriffe müssen einfach erklärt werden. Trotzdem darf der gesamte Text nicht zu lang werden. Ganz wichtig ist: Man muss erkennen, was fürs Verstehen in einem Text nicht notwendig ist. Das habe ich als Redakteur gelernt (meine Internet-Seite journalistRoth.eu).

Leider gilt immer noch: Gute Texte müssen lang sein. Das hat man uns schon in der Schule beigebracht. Lange Aufsätze waren immer besser als kurze Aufsätze. Damit ein Text lang wird, schreibt man Dinge hinein, die für das Thema gar nicht notwendig sind. Das nennt man Redundanzen.

Es gibt Regeln für die Leichte und Einfache Sprache. Wer sie anwendet, benutzt das Zeichen für Leichte Sprache. Ich mache das nicht! Ich wende das Zeichen Leichte Sprache nicht an. Warum?

Logo Leichte Sprache
Logo Leichte Sprache

Ich habe viele schlechte Texte mit dem Zeichen Leichte Sprache gesehen.

Als Journalist sage ich:

Wer in schwerer Sprache nicht gut schreibt, kann auch nicht gut in Leichte oder Einfache Sprache übersetzen.

Einen Roman in Leichte oder Einfache Sprache zu bringen, das geht auch nicht. Das ist schon oft versucht worden. Ein Roman ist mehr als ein verständlicher Inhalt. Für Menschen mit Lern-Schwierigkeiten müssen eigene Bücher geschrieben werden. In diesen Büchern müssen sie ihre Lebens-Welt erkennen.

Es gibt keine beste Lösung für die Leichte und Einfache Sprache! Schon die Unterscheidung ist schwer:

Was ist Leichte Sprache?

Leichte Sprache: Sie ist so geschrieben, dass sie dem Leseverständnis erste und zweite Grundschulklasse entspricht.

Behördenwegweiser in Einfacher Sprache (linke Hälfe).

Wegweiser im Sozialamt der Stadt Stuttgart. Links die Hinweise in Einfacher Sprache. Foto: Uwe Roth

Was ist Einfache Sprache?

Einfache Sprache: Sie entspricht dem Leseverständnis dritte und vierte Grundschulklasse. Das ist meine bevorzugte Schreibform.

Die Fähigkeit, Texte zu verstehen, wird laut einer Einteilung der Vereinten Nationen in die Kompetenzstufen A1, A2, B1, B2, C1, C2 unterteilt.

Leichte und Einfache Sprache entspricht den Kompetenzstufen A1 bis B1.

B1 und B2 entsprechen der üblichen Textverständlichkeit im Alltag.

C1 ist die anspruchsvolle Zeitungslektüre,

C2 ist komplexe Fachsprache

Behördentexte sind oftmals bei C1 und C2 anzusiedeln

Diese Unterscheidung ist als recht grob zu betrachten

Menschen mit geistiger Behinderung lesen und verstehen sehr unterschiedlich. Bei schwerer Sprache ist das nicht anders. Manche Leser verstehen alles, was in der Zeitung steht. Manche Leser verstehen nur sehr wenig. Niemand kann so schreiben, dass alle verstehen.

Wie ich immer wieder merke, sollen Informationen oft nicht leicht zu verstehen sein. Besonders Juristen bestehen auf eine schwierige Sprache und sind nicht bereit, auf Fach-Begriffe zu verzichten.

  • Das größte Problem sind die Juristen. Sie schreiben Gesetze und Regeln.
  • Sie passen auf, dass sich alle an Gesetze und Regeln halten.
  • Ich durfte Texte nicht in Einfacher Sprache schreiben, weil Juristen Nein gesagt haben.
  • Mit ihrer schweren Sprache haben Juristen sehr große Macht über den Staat und die Politik. Und damit auch über die Menschen.
Die Einfache Sprache ist eine schlanke und deswegen sehr ehrliche Sprache.
Einfache Sprache nimmt den Leser ernst. Er erkennt beim Lesen sofort die Information. 

Vielleicht ist genau das der Grund, warum es die Einfache Sprache so selten gibt.

Zum Weiterlesen:

Unterschiedliche Institutionen und Netzwerke haben Regelwerke aufgestellt:
Netzwerk People First,
Netzwerk Leichte Sprache,
Bundesvereinigung Lebenshilfe,
Einfach für alle,
Inclusion Europe.