Gesetzliche Vorschriften

Gesetze

(nicht in Einfacher Sprache)

In den Gesetzes-Texten und Erläuterungen zum Behinderten-Gleichstellungs-Gesetz (BGG) bzw. Bundes-Teilhabe-Gesetz (BTHG) wird an einigen Stellen die Leichte Sprache erwähnt und als Teil der Barriere-Freiheit (Inklusion) für Menschen mit Lern-Schwierigkeiten betrachtet. Es wird jedoch an keiner Stelle definiert, was genau die Leichte Sprache ist. Einmal heißt es „die sogenannte Leichte Sprache“.

Leichte oder Einfache Sprache?

Nach gängiger Definition entspricht die Leichte Sprache der Lese-Kompetenz zweite Grundschul-Klasse. Die Einfache Sprache hingegen kommt dem Niveau der vierten Grundschul-Klasse gleich. In der deutschen Fassung der UN-Behinderten-Rechts-Konvention (UN-BRK) ist von „einfacher Sprache“ die Rede.

Die qualifizierte Unterscheidung von „leicht“ und „einfach“ ist außerhalb besonderer Fachkreise weitgehend unbekannt. Beide Begriffe werden synonym verwendet. Häufiger jedoch liest man die Bezeichnung Leichte Sprache. Die Begriffs-Verwirrung lässt darauf schließen, dass es zum einen wenig Wissen über diese besonderen Sprach-Formen und zum anderen kein schlüssiges Konzept gibt, wie man mit einer lese-schwachen Zielgruppe kommuniziert.

In den eingangs genannten Texten wird allgemein festgelegt, dass Menschen mit Lern-Schwierigkeiten/geistiger Behinderung ein Grundrecht auf Information haben – in einer für sie verständlichen Form. Dieser Anspruch ist sehr allgemein gehalten und wird nur an wenigen Stellen näher definiert. Maßgabe ist: Die Information muss bei der Zielgruppe ankommen – egal welche Kommunikations-Regeln dafür angewendet werden.

Nach meiner Überzeugung sind die Möglichkeiten der Leichten Sprache nicht ausreichend, um alle relevanten Inhalte der Zielgruppe angemessen vermitteln zu können. Das Regelwerk besteht auf eine sehr rudimentäre Grammatik und die Verwendung sehr einfacher Begriffe. Bedenkt man jedoch den breit angelegten Rechts-Anspruch auf Information, die der Gesetzgeber Menschen mit Lern-Schwierigkeiten zugesteht, dann fällt die Leichte Sprache weitgehend als Transport-Mittel aus.

Einfache Sprache in der Forschung

Ich selbst verwende den Begriff Einfache Sprache: Sie kennt keine verbindliche Regeln wie die Leichte Sprache. Es gilt der Grundsatz: So einfach wie nur möglich, ohne dass der Inhalt verloren geht. Und dieser Grundsatz funktioniert nach meiner Erfahrung sehr gut. Die Einfache Sprache ist noch lange nicht am Ende ihrer Entwicklung. Leichte/Einfache Sprache ist Gegenstand der Forschung wie an der Universität Leipzig .

Außerdem ist davon auszugehen, dass im Zuge der Inklusion im Bildungsbereich die Lese-Kompetenz der Menschen mit Lernschwierigkeiten stetig wachsen wird. Hingegen sinkt in der Bevölkerung die Lese-Kompetenz allgemein. Somit wächst der Bedarf an verständlicher Information auch von dieser Seite.

Grundsätzlich aber steht fest: Zukünftig muss in der Kommunikation darauf geachtet werden, ob die Information in der angewandten Sprache beim Adressaten tatsächlich angekommen ist und verstanden wurde. Wenn nicht, muss die Verständlichkeit verbessert werden.

Verantwortung für barrierefreie Kommunikation

Der direkte Anspruch der Menschen mit Lern-Schwierigkeiten auf verständliche Information bedeutet zudem, dass nicht länger dem Betreuer die Übersetzung schwerer Sprache (beispielsweise in einem Behörden-Brief) auf das Verständnisniveau seines Klienten überlassen werden darf. Nach dem Gesetz ist künftig der Absender der Information für eine barrierefreie Kommunikation verantwortlich.

Autor: Roth Uwe

Uwe Roth ist Zeitungsjournalist und Texter in Einfacher Sprache. Er schreibt für Menschen, die Probleme mit der deutschen Sprache haben. Uwe Roth hat Sozialwissenschaften studiert, in Brüssel als Korrespondent gearbeitet und war zehn Jahre Redakteur in einem großen Medienhaus in Stuttgart.

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